Millionen tote Küken: Profit ist für Regierung wichtiger als Tierschutz

Jährlich werden alleine in Österreich bis zu 10 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen vergast und geschreddert – weil ihre Aufzucht zu wenig Profit bringt und es das Gesetz zulässt. Sie werden stattdessen als Futtertiere für Zoos und Falknereien verwendet. Anfang April stellte ich als Tierschutzsprecher der Liste Pilz im Parlament zwei Anfragen an die für den Tierschutz zuständige Ministerin Beate Hartinger-Klein sowie an ihre für die Landwirtschaft zuständige Amtskollegin Elisabeth Köstinger.

Die Beantwortung der Anfragen zeigt nun deutlich, dass bei ÖVP & FPÖ kaum Bewusstsein für die Problematik vorhanden ist und auch überhaupt kein politischer Wille besteht, selbst entsprechende Schritte zur Lösung zu setzen. Weder werden von den Ministerien Daten erhoben, noch werden nationale Alternativen gesucht oder unterstützt – dafür wird an jeder erdenklichen Stelle auf die eigene Unzuständigkeit hingewiesen und auf das andere Ministerium, Bundesländer oder Europäische Union verwiesen.

Wieder einmal wird von der Regierung reflexartig auf andere gezeigt – wie leider so oft im Tierschutz, wenn es darum ginge Verantwortung zu übernehmen. Damit die heimischen Brütereien keinen Wettbewerbsnachteil haben, bleibt die Ministerin untätig. Dass ihr entsprechende Instrumente zur Förderung des Umstiegs zur Verfügung stünden, damit nicht die BäuerInnen draufzahlen müssen, daran denkt sie offenbar nicht. Auch diese Anfrage zeigt einmal mehr, wie weit diese Regierung vom Tierschutz entfernt ist.

Obwohl neue technische Verfahren die millionenfache Vernichtung von männlichen Küken mittlerweile verhindern könnten, weigert sich die Regierung entsprechende Maßnahmen zu erlassen und entsprechende Fördermittel flächendeckend zur Verfügung zu stellen, um einen Umstieg für alle Betriebe verpflichtend zu gestalten. Während Bio-Betriebe bereits vor Jahren freiwillig diese grausame Praxis hinter sich gelassen haben, ist in der konventionellen Landwirtschaft das große Kükensterben offenbar noch lange nicht vorbei. Nur rund 7% der jährlich in Österreich gebrüteten 18 Millionen Küken stammen aus biologischer Haltung.

Diese Regierung schreibt sich die Digitalisierung auf die Fahnen, die Ministerin will angeblich gezielt den technologischen Fortschritt in der Landwirtschaft fördern. Doch für die Implementierung von Verfahren, die millionenfaches Tierleid vermeiden würden, ist offenbar kein Geld da. Dabei gibt es wohl keinen Bauern im Land, der das nicht gerne lieber heute als morgen umgestellt hätte. Ein klarer Auftrag also an die Regierung, jetzt aktiv zu werden und Ankündigungen endlich umzusetzen.


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